Lebensraum Sempachersee

Der Sempachersee – ein Vermächtnis des Reussgletschers

Die Ent­ste­hung unse­res Sees ver­dan­ken wir dem Reuss­glet­scher. Vor rund 12 000 Jah­ren bedeck­te ein zusam­men­hän­gen­der Eis­schild die­ses Glet­schers das Gebiet zwi­schen dem Lin­den­berg und Wil­li­sau-Nebi­kon-Dag­mer­sel­len mit dem Raum Sem­pa­cher­see mit­ten drin. Das Eis reich­te im Gebiet unse­res Sees hin­auf bis in Höhen von 850 bis 900 m ü.M. In sei­ner maxi­ma­len Aus­deh­nung reich­te der Glet­scher in der letz­ten Eis­zeit bis nach Staf­fel­bach an der heu­ti­gen Kan­tons­gren­ze Luzern-Aar­gau hin­un­ter. Etap­pen­wei­se zog er sich dann zurück und hin­ter­liess vie­le Morä­nen. Weil der Glet­scher bei sei­nem Rück­zug län­ge­re Zeit in unse­rer Regi­on ver­harr­te, bil­de­te sich hier eine der mäch­tigs­ten Morä­nen. Es ist jene von Maria­zell bei Sur­see, die den Sem­pa­cher­see auf­staut. Eine wei­te­re, klei­ne­re befin­det sich im See. Mit ihrer höchs­ten Erhe­bung bil­det sie das der Halb­in­sel von Sur­see vor­ge­la­ger­te Inse­li. Der Triech­ter soll durch Abschmel­zen von lie­gen geblie­be­nem Toteis ent­stan­den sein. Auch der bei Fischern bekann­te „Bal­len­berg“, eine Untie­fe am oberen See­en­de, geht auf die Gestal­tungs­kraft des Glet­schers zurück.
Das Ein­zugs­ge­biet des Sem­pa­cher­sees ist mit rund 60 Qua­drat­ki­lo­me­tern recht klein. Als Fol­ge davon hat der See nur klei­ne, eher lang­sam flies­sen­de Zuflüs­se. Bis das Was­ser den See beim Suh­re­aus­fluss bei Ober­kir­ch wie­der ver­lässt, dau­ert es viel län­ger als in den meis­ten ande­ren Seen: Rund 17 Jah­re bleibt ein Was­ser­tropf im Durch­schnitt im See! Dass es sich am Sem­pa­cher­see seit lan­gem gut leben lässt, bestä­ti­gen uns eine Rei­he von Pfahl­bau­sied­lun­gen rings um den See.

Die Natur am Sempachersee

Wie bei allen Gewäs­sern in Mit­tel­eu­ro­pa hat der Men­sch auch beim Sem­pa­cher­see Was­ser­haus­halt und Land­schaft stark geprägt. Ab 1806 hat man den See um etwa 1,7m abge­senkt. Das führ­te bei­spiels­wei­se dazu, dass das Städt­chen Sem­pach von der Ufer­li­nie des Sees abge­trennt wur­de. Gleich­zei­tig wur­de so viel Kul­tur­land gewon­nen und die Gegend vor Über­schwem­mun­gen siche­rer gemacht. Der Was­ser­ab­fluss wird seit­her bei Ober­kir­ch künst­li­ch regu­liert. Als Fol­ge die­ser Ein­grif­fe bil­de­ten sich auch neue Feucht­ge­bie­te, beson­ders im Zell­moos, im Juch­moos und am Süd- ende des Sees. Rings um den See hat bis Mit­te des 20.Jahrhunderts ein fast lücken­lo­ser, etli­che Meter brei­ter Schilf­gür­tel bestan­den. Die­ser ver­schwand als Fol­ge der star­ken Über­dün­gung des Sees und hat sich bis heu­te nur beschränkt erholt. Auch Bestän­de von Teich­ro­sen oder Bin­sen gibt es nur noch an weni­gen Stel­len.

Die Fische im Sempachersee

Die Fische­rei am Sem­pa­cher­see hat eine lan­ge Tra­di­ti­on. So soll etwa die Fami­lie Zwimp­fer aus Sem­pach bereits über 500 Jah­re ohne Unter­bruch in der Fische­rei tätig sein. Sie hat ihren Platz gut gewählt, gilt doch der Sem­pa­cher­see als der Schwei­zer See, der einen der höchs­ten Hekt­ar­er­trä­ge über­haupt auf­weist. Pro Jahr wer­den am Sem­pa­cher­see durch­schnitt­li­ch 60–80 Ton­nen „Bal­chen“ gefan­gen. Die­se Fel­chen­art gehört zur Fami­lie der lachs­ar­ti­gen Fische und ist der mit Abstand wich­tigs­te „Brot­fi­sch“ der drei Berufs­fi­scher. Dane­ben sind auch Egli und Hecht von einer gewis­sen Bedeu­tung. Der ein­st häu­fi­ge und von Gour­mets geschätz­te Edel­krebs ist aus dem Sem­pa­cher­see weit­ge­hend ver­schwun­den. Die Fischer set­zen den gröss­ten Teil ihres Fangs in Restau­rants und Geschäf­ten der Regi­on ab.

Die Vögel im Sempachersee

Der Sem­pa­cher­see ist wahr­li­ch für man­che Über­ra­schung gut: Eis­tau­cher aus Island, Sam­ten­ten aus Lapp­land, Eide­ren­ten aus Finn­land, Sing­schwä­ne aus dem Bal­ti­kum, Aus­tern­fi­scher von der Nord­see­küs­te, Weiss­flü­gel­see­schwal­ben aus den Sümp­fen Weiss- russ­lands, Sil­ber­rei­her aus Ungarn, Kol­ben­en­ten aus Spa­ni­en – all die­se Gäs­te und noch eini­ge mehr kön­nen im Jah­res­ver­lauf an unse­rem See auf­kreu­zen. Vie­len Vögeln ist der Sem­pa­cher­see aller­dings nur einen kur­zen Halt wert, denn die Ernäh­rungs­be­din­gun­gen sind längst nicht für alle ide­al. Auch die Rei­he­ren­te, deren Her­kunfts­ge­bie­te bis nach Nord­skan­di­na­vi­en und bis nach Ost­asi­en rei­chen, blei­ben oft nur weni­ge Tage. Selbst mit­ten im Win­ter zie­hen vie­le von ihnen noch wei­ter nach Süd­frank­reich, Ita­li­en – oder auch nach Hol­land oder Gross­bri­tan­ni­en!
Nur für weni­ge Brut­vo­gel­ar­ten ist der Sem­pa­cher­see von grös­se­rer Bedeu­tung. Zu ihnen zählt der Hau­ben­tau­cher, für des­sen Erhal­tung die Schweiz eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung trägt. In den letz­ten Jah­ren brü­te­ten hier jeweils über 100 Paa­re, womit der Sem­pa­cher­see einer der wich­ti­ge­ren Brut­plät­ze ist. Der Brut­er­folg ist aller­dings oft beschei­den: Wind und Wet­ter zer­stö­ren im schüt­ter gewor­de­nen Schilfsaum gar man­che Brut.